Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



1991

Mit Bernhard Minetti wurde 1991 einer der Überväter des bundesdeutschen Theaters zum ersten Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises berufen. Am 26. Januar 1905 in Kiel als Sohn eines Architekten geboren, hatte Minetti 1925 bis 1927 die Staatliche Schauspielschule von Leopold Jessner in Berlin besucht, um danach am Reussischen Theater Gera zu debütieren.
Zum Star wurde er ab 1928 in Darmstadt, wo er sich in Rollen wie Hamlet und Don Carlos das große klassische Repertoire erschloss. Parallel zu seinem Engagement am Preußischen Staatstheater in Berlin, wo er bis zu dessen Schließung 1944 Parade-Partien wie Faust, Robespierre, Wallenstein und Franz Moor spielte, arbeitete Bernhard Minetti ab 1930 auch für den Film – unter anderem in „Berlin-Alexanderplatz“ und in „Der Mörder Dmitri Karamasow“.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
ging Bernhard Minetti zunächst nach Kiel, wo er auch als Schauspieldirektor arbeitete. Einem zweijährigen Engagement am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg folgte eine Zeit als freischaffender Künstler, ab 1952 ging der gefragte Künstler ein vierjähriges Engagement in Frankfurt am Main ein. Nach einem Intermezzo in Düsseldorf arbeitete er wieder frei und konzentrierte sich dabei zunehmend auf die Westberliner Bühnen.
Während Bernhard Minetti den Kritikern jener Zeit vor allem als Ideal-Interpret für die Theater-Texte von Beckett, Genet, Dürrenmatt, Strindberg und Pinter galt, begann seine staunenswerte Alters-Karriere in den 70er Jahren mit Stücken von Thomas Bernhard. Nach "Jagdgesellschaft" und "Die Macht der Gewohnheit" widmete der Autor seinem bevorzugten Darsteller 1976 das Solo "Minetti – Ein Porträt des Künstlers als alter Mann". In den 80er Jahren spielte Minetti bei Regisseuren wie Claus Peymann ("Der Weltverbesserer", "Der Schein trügt"), Peter Zadek ("Jeder stirbt für sich allein"), Klaus Michael Grüber ("Faust", "König Lear") und Hans Neuenfels ("Der Balkon"). Eine schwere Zäsur bedeutete für den Jahrhundert-Schauspieler 1993 die Schließung des Berliner Schillertheaters, wo er zuletzt als Puck im "Sommernachtstraum" gefeiert worden war. Seine Klage gegen die mit dieser kulturpolitischen Bankrott-Erklärung verbundene Kündigung wurde vom Bühnenschiedsgericht Berlin zurückgewiesen, später entschuldigte sich die Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Hanna-Renate Laurien, öffentlich für den "Mangel an menschlicher Kultur".

Im Alter von 90 Jahren unterschrieb Bernhard Minetti, der in der Kritiker-Umfrage von „Theater heute“ siebenmal zum „Schauspieler des Jahres" gewählt wurde, noch einmal einen Vertrag am Berliner Ensemble, wo er bald darauf in Heiner Müllers letzter Inszenierung „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ als Schauspiellehrer eine der Sternstunden der Theaterkunst kreierte.
Kurz vor seinem Tod war er am selben Ort in Robert Wilsons „Der Ozeanflug“ zu sehen. Bernhard Minetti, der in der Kritik als „biologisch-künstlerisches Wunder“ gefeiert worden war und dessen reife und vollendete Menschendarstellung Generationen von Künstlern inspirierte, starb am 12. Oktober 1998 in Berlin.

Als Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises wählte Bernhard Minetti 1991 – zwei Jahre nach dem Fall der Mauer – die junge ostdeutsche Schauspielerin Steffi Kühnert für ihre Rolle in Leander Haußmanns „Nora“-Inszenierung am Deutschen Nationaltheater Weimar.