Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



2005

Der Alfred-Kerr-Juror für das Theatertreffen des Jahres 2005 steht nicht nur für die konsequente Verjüngung dieses Ehrenamtes, Ulrich Matthes übernahm die verantwortungsvolle Aufgabe zudem in einem Augenblick höchster öffentlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung. Für die Rolle des George in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, mit der er in Jürgen Goschs Berliner DT-Inszenierung selbst beim Theatertreffen zu erleben war, ist der 45-Jährige jüngst mit dem renommierten Gertrud-Eysoldt-Ring geehrt worden. Und parallel zu diesem Bühnen-Erfolg sorgte Matthes auch in Kinofilmen von Oliver Hirschbiegel und Volker Schlöndorff für Furore: Nachdem er im Bunker-Epos „Der Untergang“ die beängstigende Figur des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels verkörpert hatte, setzte er in der Rolle eines im Konzentrationslager Dachau eingekerkerten Geistlichen in „Der neunte Tag“ einen berührenden Kontrapunkt.
2005, im Jahr seiner Tätigkeit als Juror für den Alfred-Kerr-Preis, wurde Ulrich Matthes in der Kritiker-Umfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt. Zur Schauspielerin des Jahres wählten die Kritiker Wiebke Puls,
der Ulrich Matthes den Alfred-Kerr-Preis zugesprochen hatte.

Diese Summe des Erfolgs ist der vorläufige Höhepunkt einer Laufbahn, die der Sohn eines langjährigen „Tagesspiegel“-Chefredakteurs nach Studienanfängen in Germanistik und Anglistik eingeschlagen hatte. Bereits sein Debüt in Kohouts „Armer Mörder“ am Renaissance-Theater meisterte Ulrich Matthes an der Seite von Maximilian Schell, nach zwei Jahren in Krefeld/Mönchengladbach wechselte er 1985 an das Düsseldorfer Schauspielhaus. Hier spielte er unter der Intendanz von Günther Beelitz in nur zwölf Monaten vier Hauptrollen, wobei besonders die Titelpartien in Tankred Dorsts „Heinrich oder Die Schmerzen der Phantasie“ sowie in Joshua Sobols „Weiningers Nacht“ für Furore sorgten. Kurz nach seinem Wechsel an das Bayerische Staatsschauspiel wurde Matthes – mit gerade 31 Jahren – erstmals zum „Schauspieler des Jahres“ gekürt, wenig später fand er in den Münchner Kammerspielen eine neue künstlerische Heimat und feierte als Peter Handkes „Kaspar“ erneut Triumphe. 1992 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um an der Schaubühne große Rollen in Gorkis „Nachtasyl“, in Tschechows „Die Möwe“ sowie im „Orestes“ des Euripides zu übernehmen.

Parallel zu dieser Theater-Karriere ging Ulrich Matthes, an dem Kritiker „die Versinnlichung des Denkens“ loben, auch mit Lesungen – etwa aus Thomas Bernhards „Wittgensteins Neffe“ – auf Tournee und spielte in Filmen wie dem TV-Mehrteiler „Nikolaikirche“ nach dem Roman von Erich Loest und in Tom Tykwers Kino-Melodram „Winterschläfer“. Für die Rolle des Sinclair in Nina Grosses Hölderlin-Porträt „Feuerreiter“ wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis geehrt, im Fernsehen war er hernach unter anderem in den zeitgeschichtlichen Filmen „Abgehauen“ und „Todesspiel“ zu sehen.

Dass sich Ulrich Matthes auch dem Schauspieler-Nachwuchs verpflichtet fühlt, zeigte er – nach seinem Darmstädter Regie-Debüt mit „Groß und Klein“ – im Jahr 2003, als er mit Studenten der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ das Wedekind-Stück „Frühlings Erwachen“ inszenierte. Ein feinnerviger, charakterstarker und wandlungsfähiger Künstler, der die extremen Mühen wie den schönen Lohn seines Berufs aus eigenem Erleben kennt – beste Voraussetzungen für einen Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises.