Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



2006

Martin Wuttke, der Alfred-Kerr-Juror des Jahres 2006, zählt zu jenen Künstlern, die in der öffentlichen Wahrnehmung gern mit einer Paraderolle identifiziert werden – obwohl gerade er ein Beispiel für Vielseitigkeit und die Gabe der Verwandlung bietet.
Doch wenngleich der 1962 in Gelsenkirchen geborene und am Figurentheater-Colleg Bochum sowie an der Westfälischen Schauspielschule ausgebildete Schauspieler mit extrem unterschiedlichen Regisseuren wie Robert Wilson und Einar Schleef,
Kurt Hübner und vor allem Frank Castorf gearbeitet hat, wird sein Name bis heute häufig mit Brechts „Arturo Ui“ gleichgesetzt.
In dieser letzten Inszenierung von Heiner Müller war Wuttke am Berliner Ensemble der machthungrig hechelnde Aufsteiger, der in seiner Pose als Fleisch gewordenes Hakenkreuz eine Theater-Ikone des 20. Jahrhunderts kreierte. Dass er diese Rolle auch nach Müllers Tod weltweit spielte und als „Schauspieler des Jahres“ in Krisenzeiten zum prominentesten Anwalt der Bühne wurde, befähigte Wuttke zudem, das Berliner Ensemble als Intendant über das schwierige Jahr 1996 zu retten. In derselben Saison wurde der Künstler mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring geehrt.

Begonnen freilich hatte Martin Wuttkes Karriere zwölf Jahre zuvor beim Schauspiel in Frankfurt am Main, wo sich der junge Mime Hauptrollen wie Hamlet und Leonce anverwandelte und in Inszenierungen von Einar Schleef prägende Erfahrungen sammelte. Über Berlin und Stuttgart führte sein Weg Anfang der 90er Jahre an das Hamburger Thalia-Theater, wo er 1992 mit dem
Boy-Gobert-Preis geehrt wurde – vor allem für seine Darstellung des Kostja in Tschechows „Die Möwe“. Wenig später spielte er gemeinsam mit Marianne Hoppe in „Quartett“ erstmals unter Heiner Müllers Regie, Schleefs „Wessis in Weimar“ war ein weiterer Meilenstein seiner Karriere am BE. Dass er dem Haus auch nach dem kulturpolitisch begründeten Abschied vom Intendanten-Amt verbunden blieb und Stücke wie „Monsieur Verdoux“ oder „Artaud erinnert sich an Hitler und das Romanische Café“ aus der Taufe hob, darf als weiterer Beleg für Wuttkes künstlerische Integrität gelten.

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends verlagerte Martin Wuttke sein kreatives Zentrum in die Berliner Volksbühne, wo er in zahlreichen Inszenierungen von Frank Castorf tragende Rollen übernahm. Zudem war der Schauspieler, der 1996 bereits die Uraufführung von Heiner Müllers „Germania 3“ zur Premiere geführt hatte hatte, mehrfach als Regisseur tätig. So inszenierte er in Neuhardenberg „Die Perser“ und „Solaris“. Auch auf der Leinwand ist der vielfach ausgezeichnete und von Kritikern als „Elementarereignis“ gefeierte Künstler immer wieder zu erleben: Bereits 1991 in Rebecca Horns „Buster’s Bedroom“, später u. a. in „Die 120 Tage von Bottrop“ (1997) und in „Die Stille nach dem Schuss“ (2000).