Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



2007

Wenn Selbstbewusstsein das Wesen der jungen Mädchen und Frauen ist, die Martina Gedeck auf der Bühne, im Film oder auf dem Bildschirm gespielt hat, dann ist es ein zögerliches, ein nachdenkliches, ein sehr verletzliches Selbstbewusstsein. Immer ist zu spüren, dass diese Figuren nicht „fertig“ sind, dass sie um sich und ihren Weg ringen, dass sie sich durchsetzen wollen, gegen alle Hindernisse. Dem Zuschauer kommen sie durch ihre Natürlichkeit nahe, sie erwecken Vertrauen, sie bewegen sich im Alltäglichen mit Tapferkeit und Trotz, mit einer Leidenschaft, die anrührend und aufrüttelnd ist. Martina Gedeck lädt in ihrem Spiel zu Entdeckungen ein, sie stellt Menschen so dar, dass alles Fremde wegschmilzt und man immer mehr über ihre Schicksale erfahren möchte. Auf zurechtgemachte, glatte Schönheit kann Martina Gedeck verzichten – in ihrem ausdrucksstarken Gesicht leben Menschengeschichten mannigfaltiger Art, traurige, heitere, solche voller Zuversicht – und Entsagung. Es sind Geschichten, die sich tief einprägen und nicht vergessen werden können. Offenheit und Freundlichkeit, Schmerz und tiefes Versunkensein sind da zu entdecken, vor allem aber: Ehrlichkeit. Das Glamouröse liegt der Schauspielerin nicht, Pathos und Pose verachtet sie. Was sie spielt, stimmt, ist mit Genauigkeit erarbeitet, weist meisterlich beherrschtes Handwerk vor. So wenig sich Martina Gedeck festlegen lässt, so sehr bleibt sie sich treu. Sie will Lebensnähe, sie will mit ihren Figuren zeigen, was dem Menschen aufgegeben ist und wie er bestehen kann in dieser unserer Welt.

Geboren 1961 in München, seit 1971 in Berlin lebend und dort auch an der Hochschule der Künste (Max-Reinhardt-Seminar) ausgebildet, gehört Martina Gedeck zu den international erfolgreichen, gefeierten Schauspielerinnen unserer Zeit. Theater und Film wird sie gleichermaßen gerecht, auch wenn der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf filmischem Gebiet liegt. In mehr als 50 Kino- und TV-Produktionen hat sie bisher mitgewirkt, stets mit nachhaltigem Erfolg. Im Oscar-gekrönten Film „Das Leben der anderen“ gelang ihr mit der sensiblen, innerlich zerrissenen und doch in ihrem schöpferischen Wollen unbeirrbaren Schauspielerin Christa Maria Sieland eine ihrer überzeugendsten Leistungen. Am Deutschen Theater Berlin spielte sie 2005 die Titelrolle in Lessings „Minna von Barnhelm“. Ihre Minna war eine junge Frau mit unverdorbener erotischer Ausstrahlung, die sich in trotzigen Verdruss wandelt, wenn der Geliebte Major von Tellheim spröde bleibt und das Spiel um Liebe – und Leben – nicht mitspielen will. Auf dem Höhepunkt der Verwirrung zeigte Gedecks Minna Ratlosigkeit, Angst und die Ahnung, dass im Grunde alles verloren ist. Diese drohende Verzweiflung führte die Figur in eine vorher noch nicht ausgelotete Tiefe.

Zwei Jahre nach dieser außergewöhnlichen Rollengestaltung ist Martina Gedeck nun, zum Theatertreffen 2007, Juror für den Alfred-Kerr-Darstellerpreis. Viele der bisher ausgezeichneten jungen Schauspieler und Schauspielerinnen haben sich wie sie zur Arbeit im Theater und im Film bekannt, den Jungen von heute wird sie deshalb Vorbild und Ansporn sein.