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Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



1992

Mit Marianne Hoppe wurde 1992 programmatisch eine Grande Dame des deutschen Sprechtheaters zur zweiten Jurorin des Alfred-Kerr-Darstellerpreises berufen. Am 26. April 1909 in Rostock geboren und auf dem elterlichen Gut Felsenhagen in der Mark Brandenburg aufgewachsen, bewarb sich Marianne Hoppe bereits als 17-Jährige erfolgreich an der Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin, das damals von Max Reinhardt geleitet wurde. Nach ihrem Debüt an der Bühne der Jugend folgten zwei arbeitsreiche Jahre am Neuen Theater in Frankfurt am Main sowie ein kurzes Engagement an den Münchner Kammerspielen unter der Intendanz von Otto Falckenberg, ehe die Künstlerin 1933 ihre Heimat 1933 am Staatlichen Schauspielhaus Berlin fand.
Parallel wurde sie von der Ufa entdeckt, die Hoppes markante Erscheinung vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges u. a. in so erfolgreichen Filmen wie „Der Schimmelreiter“, „Eine Frau ohne Bedeutung“ und „Kapriolen“ präsentierte.

Da Marianne Hoppe von 1936 bis 1946
mit ihrem Kollegen und Intendanten Gustaf Gründgens verheiratet gewesen war und mit großen Rollen wie Lessings Minna von Barnhelm oder Emilia Galotti das Staatstheater der Nationalsozialisten geprägt hatte, musste sie nach 1945 Umwege auf die Bühne suchen. Sie arbeitete als Rundfunksprecherin und in einem Flüchtlingslager, ehe ihr geschiedener Mann ab 1947 ein Comeback am Düsseldorfer Schauspielhaus ermöglichte. Parallel zu dieser Verpflichtung ging sie in der Saison 1951/52 ein Engagement am Deutschen Schauspielhaus Hamburg ein, ab 1955 entschied sie endgültig für freischaffende Arbeit vor allem in Berlin.

Nachdem die Schauspielerin in ihrem sechsten Lebens-Jahrzehnt
von jüngeren Autoren und Regisseuren entdeckt worden war, entstand ein staunenswertes Alterswerk: Marianne Hoppe brillierte nicht nur als Protagonistin in Stücken von Thomas Bernhard („Die Jagdgesellschaft“, „Am Ziel“, „Heldenplatz“) und Tankred Dorst („Chimborazo“), sondern inspirierte Robert Wilson auch zu seiner Frankfurter Inszenierung des „König Lear“. In ihrem letzten Lebensjahrzehnt adelte sie mit ihrer Grandezza und Präzision, aber auch mit ihrer lakonischen Selbstironie vor allem Texte und Inszenierungen von Heiner Müller, der sie sowohl in seinem „Quartett“ als auch in Brechts „Arturo Ui“ besetzte. Die letzte Begegnung mit diesem Dichter arrangierte 1996 Frank Castorf, als er die 87-Jährige am Berliner Ensemble für „Der Auftrag“ gewinnen konnte.

Dass Werner Schroeters Porträt-Film „Die Königin“ im Jahr 2001 jenen Titel prägen sollte, den Marianne Hoppe nach ihrem Tod am 23. Oktober 2002 auch von Künstler-Kollegen wie Claus Peymann verliehen bekam, ahnte zum Zeitpunkt dieser letzten Premiere noch niemand. Zehn Jahre zuvor hatte die Majestät bereits einen jungen Schauspieler geadelt:
Als Jurorin des Alfred-Kerr-Darstellerpreises zeichnete sie Torsten Ranft für die Titelrolle in Büchners „Woyzeck“
an der Berliner Volksbühne (Regie: Andreas Kriegenburg) aus.