Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



1993

Es zeugt von kulturpolitischer Sensibilität der Stifter, das nach der Etablierung des Alfred-Kerr-Darstellerpreises mit einem grandiosen Juroren-Paar des westdeutschen Theaters zwei Ikonen der Ost-Berliner Bühnenlandschaft für das Ehrenamt gewählt wurden. Den Anfang machte 1993 mit Albert Hetterle ein Mann, dessen politische Geradlinigkeit durch einen exemplarischen Lebenslauf begründet und beglaubigt wird. Geboren am 31. Oktober 1918 in Odessa, ließ er sich am Kollektivisten-Theater seiner Heimatstadt als Eleve ausbilden und wurde 1941 nach Deutschland evakuiert. Sein beruflicher Neuanfang glückte ihm 1945 in Sondershausen, wo er vier Jahre engagiert war, ehe er über Stationen in Greifswald, Altenburg, Erfurt und Halle 1955 an das Berliner Maxim-Gorki-Theater kam. Diesem Haus und dessen Namensgeber blieb Albert Hetterle fortan lebenslang verbunden:
Als Schauspieler in „Die Letzten“, „Feinde“, „Jegor Bulytschow und die Anderen“ oder in „Barbaren“ unter der Regie des Gründungs-Intendanten Maxim Vallentin. Als Regisseur und Darsteller in „Nachtasyl“ und „Wassa Shelesowna“. Als Intendant von 1968 bis 1994. Und schließlich als Ehrenmitglied des Ensembles bis in die Gegenwart. Dass das Maxim-Gorki-Theater unter seiner Leitung zwar weiterhin der Tradition der russischen und sowjetischen Dramatik verpflichtet blieb, aber in stetiger Folge auch deutsche Klassiker produzierte und eigenwillige Regisseure wie Thomas Langhoff oder Rolf Winkelgrund förderte, ist ein unstrittiger Verdienst dieser fast drei Jahrzehnte währenden Ära.

In den 70er und 80er Jahren
entdeckte und präsentierte Albert Hetterle zudem kritische Gegenwarts-Dramatik aus der Sowjetunion, die in ihrem kritischen Potenzial die Mehrheit der DDR-Autoren weit übertrafen. So wurden neben Alexander Gelmans „Protokoll einer Sitzung“, „Rückkopplung“, „Allein mit allen“ und „Wir, die Endesunterzeichnenden“ unter seiner Regie zu viel diskutierten Höhepunkten des Berliner Repertoires. Dass er schließlich zu Wendezeiten die Rolle des Wilhelm Höchst in Volker Brauns Tschechow-Paraphrase „Die Übergangsgesellschaft“ übernahm, war auch als Schutz der subversiven Zustandsbeschreibung durch die Autorität des Intendanten zu verstehen.

Nach dem Fall der Mauer rettete der erfahrene Prinzipal sein Haus und das Ensemble über die Krise, die das konfliktreiche Zusammenwachsen von Ost- und Westberliner Bühnen mit sich gebracht hatte – und öffnete das Maxim-Gorki-Theater zugleich für jüngere Autoren und Regisseure. Auf der Suche nach einem Alfred-Kerr-Preisträger aber wurde er ein Jahr vor seinem Abschied in den Ruhestand bei einem Nachbarn fündig, dessen Karriere er zu DDR-Zeiten maßgeblich gefördert hatte: Daniel Morgenroths Rolle des Sigismund in Hugo von Hofmannsthals „Der Turm“ war am Deutschen Theater Berlin vom Intendanten Thomas Langhoff inszeniert worden, der seine ersten Triumphe unter Hetterles Intendanz gefeiert hatte.

Auch im hohen Alter ist Albert Hetterle ein kindlich Staunender, ein Neugieriger, ein Listiger geblieben, der Bitteres in Humor zu kleiden - und aufzuheben vermochte. Am 17. Dezember 2006 in Berlin gestorben, besteht sein Lebenswerk nicht zuletzt darin, viele Schauspieler und Regisseure auf den Weg gebracht zu haben. Ohne Eitelkeit. Mit dieser Haltung schrieb er Theatergeschichte.