Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



1999

Zehn Jahre nach der Wende konnte eine Jurorin für den Alfred-Kerr-Darstellerpreis gewonnen werden, deren Biografie die Zeitläufte in Ost- und West-Deutschland exemplarisch spiegelt: Angelica Domröse, am 4. April 1941 in Berlin-Weißensee geboren und zunächst als Stenotypistin ausgebildet, sammelte erste professionelle Schauspiel-Erfahrungen bereits vor dem Studium. Nachdem sie an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg abgelehnt worden war, bewarb sie sich um eine Rolle in Slatan Dudows „Verwirrung der Gefühle“. Der Erfolg unter 1 500 Kandidatinnen bescherte ihr schließlich doch noch den ersehnten Studienplatz – und wenig später Parade-Rollen wie die Polly in der „Dreigroschenoper“ am Berliner Ensemble.

1966, parallel zu ihrer Wahl als „Schauspielerin des Jahres“ in der DDR, wechselte Angelica Domröse an die Volksbühne, der sie bis 1979 die Treue hielt. Einem breiten Publikum aber wurde sie vor allem durch ihre mehr als 50 Rollen in Kino- und Fernsehfilmen bekannt, zu denen neben „Julia lebt“, „Chronik eines Mordes“, „Ein Lord am Alexanderplatz“ und „Krupp und Krause“ vor allem ihre prägenden Arbeiten in den Defa-Klassikern „Effi Briest“ (1968/69), „Die Legende von Paul und Paula“ (1972) sowie „Bis dass der Tod euch scheidet“ (1977/78) zu zählen sind.

Obwohl ein ostdeutsches Kino ohne die ebenso zarte wie kraftvoll-energische Künstlerin kaum vorstellbar schien, wurde auch Angelica Domröse nach Unterzeichnung des Protestes gegen Wolf Biermann ab 1976 gemaßregelt – und versuchte 1980 ihr Glück jenseits der deutsch-deutschen Grenze. Nach ihrem Gastspiel am Hamburger Schauspielhaus, wo sie als Helena in Boy Goberts Abschiedsinszenierung „Faust“ zu sehen war, folgte sie diesem Regisseur gemeinsam mit ihrem Mann Hilmar Thate an das Berliner Schiller-Theater – und eroberte sich in Peter Zadeks Fallada-Bearbeitung „Jeder stirbt für sich allein“ sowie in der Titelpartie von Wedekinds „Lulu“ quasi aus dem Stand ein neues Publikum. So zu freischaffender Arbeit ermutigt, sah man Angelica Domröse in den 80er Jahren u. a. in Jérôme Savarys „Bye, bye Show-Biz“ in Stuttgart und in Gaston Salvatores „Stalin“ in Wien, ehe sie zur Wende-Zeit an das Schiller-Theater zurückkehrte. Seit dessen Schließung hat sie wieder verstärkt im Fernsehen gearbeitet, u. a. in Horst Kummeths „Hurenglück“ und als Kommissarin im „Polizeiruf 110“. 1992 debütierte Angelica Domröse mit Matthias Zschockes „Brut“ am Berliner bat-Theater zudem als Regisseurin, seither inszenierte sie u. a. in Meiningen und beim Kurt-Weill-Fest Dessau.

Dass die Domröse als Jurorin des Alfred-Kerr-Preises 1999 eine junge, starke Frau auszeichnete, konnte kaum verwundern: Sie wählte aus den Inszenierungen des Berliner Theatertreffens Johanna Wokalek in der Titelrolle der „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann am Schauspiel Bonn (Regie: Valentin Jeker).