Bernhard Minetti  |  Marianne Hoppe  |  Albert Hetterle  |  Käthe Reichel  |  Angelica Domröse  |  Udo Samel
Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



2001

Mit Walter Schmidinger hielt am Beginn des neuen Jahrtausends ein Novum in der Geschichte des Alfred-Kerr-Darstellerpreises Einzug: Der Juror fand seinen Preisträger in einer Inszenierung des Wiener Burgtheaters, in der er ursprünglich selbst mitwirken sollte. Der Weg in dieses Ensemble der Olympier aber hatte den gebürtigen Österreicher Schmidinger über Deutschland geführt:
Am 28. April 1933 in der Donau-Stadt Linz geboren, begeisterte sich der Junge früh für das Theater– und musste doch eine Lehre als Dekorateur und Verkäufer absolvieren, ehe er sich am Max-Reinhardt-Institut in Wien zum Schauspieler ausbilden lassen konnte. Nach seinem Debüt im Theater an der Josefstadt kam er 1954 über Bonn nach Düsseldorf, wo er für sechs Jahre eine erste künstlerische Heimat fand.

In den Jahren 1960 bis 1969 gehörte er erneut zum Bonner, danach für drei Jahre zum Münchner Kammerspiel-Ensemble – und wechselte dann für 13 Jahre an das Bayerische Staatsschauspiel, wo er u. a. als Shylock in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ umjubelt wurde. Die Leidenschaft des Künstlers, den ein Kritiker einmal als „Mann des entschiedenen Einerseits-Andererseits“ charakterisierte, galt jedoch komisch-weinerlichen und ironisch-gebrochenen Charakteren. So sammelte er Erfolge als Petypon in Feydeaus „Einen Jux will er sich machen“ oder als Herr Lips in Nestroys „Der Zerrissene“, aber auch als Malvolio in Shakespeares „Was ihr wollt“ oder als Salieri in Shaffers „Amadeus“.

Mitte der 80er Jahre folgte Walter Schmidinger einem Ruf an das Berliner Schiller-Theater, wo er in den Titelrollen von Lessings „Nathan der Weise“ und Hofmannsthals „Der Unbestechliche“ ebenso triumphierte wie in den Shakespeare-Inszenierungen „König Lear“ und „König Richard II.“ – und 1989 die Rolle des Richard in der Uraufführung von Thomas Bernhards „Elisabeth II.“ kreierte. Ehe er mit dem gesamten Ensemble die Kündigung wegen der Schließung des Schiller-Theaters erhielt, spielte er unter der Regie von Alexander Lang noch „den eingebildetsten Kranken aller Zeiten“ – und wechselte danach an das Deutsche Theater im Ost-Teil der Stadt.

Seine späte Heimkehr an das Burgtheater feierte Walter Schmidinger ein Jahr vor seiner Juroren-Tätigkeit für den Alfred-Kerr-Darstellerpreis im Jahr 2000 mit einer Lesung von Texten des Autors Thomas Bernhard, den sein misanthropischer Charakter durchaus als Seelenverwandten des Schauspielers erscheinen lässt. Dass der auch als Regisseur (u. a. Oscar Wildes „Salome“) und Fernsehschauspieler erfolgreiche Künstler darüber hinaus den Berliner Bühnen treu blieb, trug ihm 2003 noch einmal eine Paraderolle ein: Mit Robert Wilson, der ihn bereits 1984 in „Der Mond im Gras“ besetzt hatte, erarbeitete er die Rolle des König Peter in der umjubelten Inszenierung von Büchners „Leonce und Lena“ am Berliner Ensemble.

Für den Alfred-Kerr-Darstellerpreis aber wählte Walter Schmidinger den jungen Schauspieler August Diehl, der die Rolle des Konstantin Gawrilowitsch Trepljow in Tschechows „Die Möwe“ am Burgtheater Wien verkörperte – eine Inszenierung von Luc Bondy, der zunächst auch Schmidinger hatte besetzen wollen.