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Walter Schmidinger  |  Elisabeth Trissenaar  |  Ivan Nagel  |  Ulrich Mühe  |  Ulrich Matthes  |  Martin Wuttke  |  Martina Gedeck
Gerd Wameling  |  Jutta Lampe  |  Bruno Ganz  |  Eva Mattes  |  Nina Hoss  |  Thomas Thieme  |  Edith Clever
 
 



2002

Die Jurorin des Jahres 2002 hatte ihre Karriere einst dort begonnen, wo die von ihr gewählte Preisträgerin Jahre später ihre Kunst erlernte: Elisabeth Trissenaar, am 13. April 1944 in Wien geboren, spielte nach dem Studium am Max-Reinhardt-Institut 1964 im Ensemble des Stadttheaters Bern erste große Rollen wie das Gretchen in Goethes „Faust“ und die Thekla in Schillers „Wallenstein“, ehe sie mit ihrem Lebens- und Arbeitspartner Hans Neuenfels nach Deutschland kam. Krefeld, Heidelberg, Bochum und Stuttgart hießen die ersten Stationen ihrer langen gemeinsamen Reise, an denen sich die Darstellerin u.a. Figuren wie Strindbergs Fräulein Julie und die Wanja aus Tschechows „Kirschgarten“ zu eigen machte.

Bereits in jenen Jahren von Kritikern wie Friedrich Luft als „große Tragödin“ gefeiert
, prägte Elisabeth Trissenaar von 1972 bis 1978 auch die Neuenfels-Ära im Schauspiel Frankfurt, wo sie u. a. als Hedda Gabler und Medea Triumphe feierte.
In diese Jahre fällt auch der Beginn ihrer Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder, der sie in seinen Filmen „Bolwieser“,
„Die Ehe der Maria Braun“, „In einem Jahr mit 13 Monden“ und in der Verfilmung von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ besetzte. Mit diesen Klassikern unter den bundesdeutschen Kino- und Fernsehfilmen empfahl sie sich zugleich für spätere Hauptrollen in Robert van Ackerens „Das andere Lächeln“ und „Die Reinheit des Herzens“ sowie in dem oscar-nominierten Film „Bittere Ernte“ und in Xaver Schwarzenbergers „Franza“.

Obwohl Elisabeth Trissenaar auch auf der Bühne zunehmend mit anderen prominenten Regisseuren wie Jürgen Flimm
(„Das Käthchen von Heilbronn“, Schauspielhaus Zürich), Peter Palitzsch („Liebe und Magie in Mammas Küche“, Freie Volksbühne Berlin) oder Ruth Berghaus („Die Braut von Messina“, ebd.) zusammenarbeitete, blieb sie ästhetisch und biografisch doch in den Inszenierungen von Hans Neuenfels verwurzelt. Mit ihm erschloss sie sich nicht nur ein umfangreiches Material von Goethes „Iphigenie auf Tauris“ bis zu Musils „Die Schwärmer“, von Genets „Die Zofen“ bis zu Kleists „Penthesilea“. Die zuletzt genannte Rolle bildete zudem den Anlass für den Film „Heinrich Penthesilea von Kleist“, der seine Uraufführung auf der Berlinale 1983 feierte.

Nachdem die als „Gemütserregungskünstlerin“ gefeierte Elisabeth Trissenaar im Jahr 2000 bereits mit zwei Anwärtern auf den Alfred-Kerr-Darstellerpreis gearbeitet hatte, als sie mit August Diehl und Fritzi Haberlandt in der Verfilmung von Ingrid Nolls Roman „Kalt ist der Abendhauch“ spielte, amtierte sie genau zwischen diesen beiden Gewinnern der Jahre 2001 und 2003 als Jurorin. Ihre Wahl fiel auf Bettina Stucky, die sie für ihre Zürcher Rollen als Natalja in Tschechows „Drei Schwestern“
(Regie: Stefan Pucher) und in „Die schöne Müllerin" (Regie: Christoph Marthaler) auswählte.