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2010

Von Bruno Ganz 2010 gewählt für die Rolle des Pinneberg in Hans Falladas „Kleiner Mann - was nun?“ in der Regie von
Luk Perceval, das von den Münchner Kammerspielen zum Theatertreffen eingeladen war.

Biografisches
Paul Herwig wurde 1970 in Berlin geboren, nahm privaten Schauspielunterricht bei Eike Steinmetz und Marcella Rehm.
Von 1990 bis 1994 besuchte er die Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Sein erstes Engagement trat er 1995 am Bayerischen Staatsschauspiel München an. Dort arbeitete er u.a. mit Michael Bogdanov, Klaus Emmerich, Matthias Hartmann, Andreas Kriegenburg, Hans Neuenfels, Amelie Niermeyer, Armin Petras und Anselm Weber.
1998 wurde er mit dem Staatlichen Förderpreis im Bereich Darstellende Kunst des Landes Bayern und 2000 mit dem Förderpreis des Vereins der Freunde des Bayerischen Staatsschauspiels ausgezeichnet.
Von 2001 bis Ende der Spielzeit 2007/08 war er Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Darüber hinaus arbeitet Paul Herwig für Film und Fernsehproduktionen.


Zum 16. Mal wurde am Pfingstmontag der mit 5.000 Euro dotierte Alfred-Kerr-Darstellerpreis für den besten jungen Schauspieler des Berliner Theatertreffens verliehen. Juror der von der Alfred-Kerr-Stiftung gemeinsam mit dem Tagesspiegel initiierten Auszeichnung war der Schauspieler Bruno Ganz.

Laudatio auf Paul Herwig, gehalten am 24. Mai 2010 von Bruno Ganz im Haus der Berliner Festspiele.

"Dieser Schauspieler kniet, er spricht mit seinem kleinen Sohn, wie ein Bauchredner macht er das, und das Söhnchen auf dem Schoß ist ein Stofftier, ein Bär. Der Mann ist verzweifelt. Er erzählt dem Kind vom Wasser, dem Bach, an dem er kniet. Er nimmt die Hochgeschwindigkeit aus seinem Spiel.

Er ist sehr verletzlich, schmal, ruhig und jung.

Es ist eine stille, poetische Szene, aber jäh und heftig nagt etwas in mir (dem Zuschauer), denn ich verstehe auf einmal, dass ich Zeuge der Vorbereitung eines Selbstmordes geworden bin. Das ist äußerst berührend. Dieser Schauspieler heißt Paul Herwig und ist ab jetzt der Träger des diesjährigen Alfred-Kerr-Preises.

Gegoogelt ist Paul Herwig nicht wirklich ein total ganz junger Mann und weit entfernt davon, ein Anfänger zu sein. Die Liste seiner spielerischen Unternehmungen, viele beim Film und Fernsehen, ist beeindruckend und er hat auch schon Preise bekommen. Trotzdem habe ich ihn zum ersten Mal auf einer Bühne gesehen (mea culpa) und ich habe mich schon sehr sehr gefreut darüber, wie er das gespielt hat, den Pinneberg in Falladas "Kleiner Mann - was nun?", und dass ich ihn gleich beim ersten Mal so toll und anrührend erleben konnte.

Er kann so schnell und so agil sein, er wirkt so unverschämt jung. Seine Mutter brüllt er an, sein "Lämmchen" himmelt er an, und der Anblick seines Söhnchens macht ihn stumm vor Zärtlichkeit.

Er schwebt immer irgendwie in der Luft, auch wenn er schwer geschlagen ist. Ja, und er lässt mich ins Innere sehen, in seines, in Pinnebergs - und damit auch in mein eigenes. Und das ist der Kern und die Sache, und ohne sie bin ich verloren, nicht nur als Juror.

Denn die anderen glücklichen Momente in diesen 14 Tagen, außer denen, die Paul Herwig mir schenkte - bei ihm ging das über drei Stunden - kamen auch genau aus diesem Punkt. Schauspieler ließen mich in ihr Inneres blicken, doch genau das ist die Sache der superpräsenten Regisseure dieses Theatertreffens nicht. Sie scheuen Identifikatorisches wie der Teufel das Weihwasser. Ihr Element ist Comedy, Chor und Kabarett. Und das nimmt mir als Juror oft die Möglichkeit, junge Schauspieler gerecht zu beurteilen. Zumal sie angehalten zu sein scheinen, ihre darstellerischen Ausdrucksmittel eher am deutschen Vorabendprogramm zu orientieren als, sagen wir, an denen von Fritz Kortner oder ihrer eigenen Fantasie.

Aber nun habe ich Paul Herwig entdeckt und ihn für diesen Preis vorschlagen können, und das versöhnt mich dann doch mit manchem. Also ich gratuliere dir, Paul. Sehr von Herzen.

P. S. Noch eine kleine Anregung: Liebe Festspielleitung, verzichtet auf den Etikettenschwindel. Das waren nicht die zehn besten oder bemerkenswertesten Inszenierungen, bestenfalls die Top Ten. Und so solltet Ihr es auch nennen."

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Paul Herwig im Gespräch mit Oliver Kranz, gesendet im RBB Kulturradio am 25. Mai 2010